In meiner Bachelorarbeit untersuche ich, wie interkulturelle Interviews im Dokumentarfilm bewusst gestaltet werden können, ohne kulturelle Unterschiede zu vereinfachen oder zu exotisieren. Ich gehe davon aus, dass sich im Interview keine „Kulturen“ begegnen, sondern Individuen mit überlappenden sozialen, biografischen und kulturellen Zugehörigkeiten. Meine eigene Rolle als Regisseur begreife ich dabei nicht als neutral, sondern als aktiven Bestandteil der Gesprächsdynamik. Fremdheit verstehe ich als produktive Spannung, die – richtig genutzt – Vertrauen, Tiefe und Offenheit ermöglichen kann. Auf Basis dieser Haltung habe ich ein Fünf-Phasen-Modell entwickelt, das das interkulturelle Interview als zirkulären Aushandlungsprozess zwischen Nähe, Differenz und Verantwortung beschreibt. Dieses Modell habe ich anhand meines dokumentarischen Films in Marokko praktisch erprobt und reflektiert.
Der Film begleitet junge Menschen in Marokko an drei Orten – Imsouane, Tafraoute und Casablanca – und zeigt ihre unterschiedlichen Lebensrealitäten zwischen Alltag, Herkunft und Zukunft. Ohne Kommentarstimme oder erklärende Musik entstehen intime Gespräche, die Raum für persönliche Perspektiven lassen. Der Film verzichtet auf kulturelle Zuschreibungen und beobachtet stattdessen individuelle Haltungen, Zweifel und Wünsche. Nähe, Fremdheit und Unsicherheit bleiben bewusst sichtbar. So entsteht ein ruhiger, offener Blick auf junge Lebensentwürfe in einem sich wandelnden Umfeld.
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